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- Todeskälte - 
 
Nun stehe ich hier...Vor mir die Tiefe, hinter mir ein Dach, unter mir ein Haus. Soll es so
enden? So oft schon habe ich mir ausgemalt, wie es sein wird, wenn ich hier stehe. Und genau
so, wie ich es mir vorstellte, passiert es nun. Oder ist dies nur ein weiteres Gedankenspiel?
Dem Tod nun so nahe. Der Tod...Der Weg aus meinen Problemen? Niemand soll jemals dich
für meinen Tod verantwortlich machen, diese Last wünsche ich dir nicht. Ich liebe dich noch
immer. Und so verschwieg ich dich. Sagte niemandem, dass ich hier stehe, nicht einmal dir.
Vielleicht sagte ich es dir nicht, weil du mich vom Gegenteil hättest überzeugen können und
genau davor hatte ich Angst. Nun, da ich hier stehe und dem Tod in sein kaltes Auge blicke,
wünscht ich mir, ich wär bei dir. Doch ein Zurück kann es nicht mehr für mich geben. Zu sehr
ist mein Herz zerfressen von Trauer und Angst, weiterleben mit dieser erscheint mir unmöglich.
Selbst mit dir zusammen nicht. Dies ist eine Bürde, an der ich innerlich zerbrechen würde. So,
wie meine menschliche Hülle wohl in wenigen Augenblicken in den Tiefen vor mir zerbersten
wird. Und dieser Gedanke macht mir Angst. Ich versuche, meine Gedanken schweifen zu lassen,
ich finde nichts...Doch! Jetzt...Ich denke an dich, das macht mir Mut. Ich fühle deinen
warmen Atem in meinem Nacken...Stehst du hinter mir? Ich drehe mich um...Nein...Ein Wunsch?
Ja. Ich wünschte, du wärst hier und könntest mich von meinem Tun abbringen. Aber wie denn,
ich törichter Narr, ich erzählte dir doch nichts. Ich wende meinen Kopf langsam wieder gen
Abgrund. Ich schaue hinab, denke immer noch an dich. Der Wind streift mir durch das Haar und
ich stelle mir vor, er wäre deine zärtliche Hand. Ich schließe meine Augen und genieße diesen
Augenblick...Diesen Augenblick, den ich scho so oft zuvor erlebte. Ich wünschte mir so oft
deine Nähe herbei, aber mein Wunsch verklang ungehört. So wie mein Wunsch im Nichts
verschwand zieht nun auch der Wind hinfort und lässt mich mit meinen Gedanken allein. Ich
öffne meine Augen noch nicht, ich will den Gedanken an dich nicht verlieren, zu schön ist
dieser Augenblick, wird doch der folgende vielleicht schon mein Ende sein. Ich stehe eine
Weile so da, stelle mir dein Gesicht, ja dein Lächeln vor. Du bewegst deine Lippen, sprichst
zu mir, doch ich höre keine Worte hallen. Ich glaube, selbst in dieser Situation lächle ich
im Gedanken an dich versunken. Zeit vergeht, viel zu schnell. Die schönen Moment meines
Lebens vergingen viel zu schnell...Ich öffne die Augen wieder, stehe immer noch vor der Tiefe.
Noch ein letztes mal verspüre ich den Wind. Nun fasse ich den letzten Gedanken, der mich an
diesen Ort hier trieb. Mir wird mulmig zumute, ich schlucke schwer, mir wird heiß und immer
heißer. Ich zweifle an mir selbst. Und im innern dränge ich mich selbst dazu: "Tu den letzten
schritt! Tu ihn!". Ich atme ein letztes mal tief durch, fasse allen Mut und sammle alle
verbliebenen Gefühle meines Herzens zusammen, sei es Liebe, sei es Trauer, sei es Wut oder
gar Hass. Doch in diesem letzten Moment vermag ich nur noch die Liebe und die Trauer zu
spüren. So intensiv wie noch nie. Ich bete förmlich darum: "Bitte! Bitte, vergiss mich nicht!"
In mir brodelt es, ich sage mir ein letztes mal: "Ich liebe dich! Leb wohl..." und dann hebe
ich langsam meinen Fuss. Es wirkt, als wöge er Tonnen. Dennoch sammle ich meine letzte
Kraft und setze ihn vor mich. Noch einmal schlucke ich schwer, dann verliere ich das
Gleichgewicht...Ungewollt? Nein. Ich sagte mir doch so oft, ich wolle dies, warum sonst tat
ich dies? Ich falle nach vorn, mein anderer Fuss folgt dem Gewicht meines Körpers in die
Tiefen hinab. Ist es nun vorbei? Nein. Wieso nicht? Ich kann es nicht glauben. Die Zeit, es
kommt mir vor, als bliebe sie fast stehn. Was nun? Ich spüre, dass ich falle, aber es ist,
als schwebte ich. Bin ich schon Tod? Nein, das kann nicht sein, bin ich doch noch nicht am
Boden angekommen und spüre ich meinen Körper doch noch. Ich sehe das unausweichliche langsam
näher kommen. Ich werde sterben, nichts kann mich jetzt noch retten. Weder mein Wille,
vielleicht noch weiterzuleben, noch du! Ja, du. Du...Ich denke scho wieder nur an dich. In
diesen letzten Augenblicken geht mir nichts anderes mehr durch den Kopf. Und nun geschieht es
doch noch. Ich bedaure mein Tun. Meine Augen füllen sich mit Tränen...Doch nicht aus Furcht
vorm Tod, nein, ich habe das Gefühl, ich lasse dich im Stich, allein auf dieser kargen
Welt. Das wollte ich nicht. Dafür liebe ich dich zu sehr. Nun kann ich nur noch hoffen, dass
es dir besser gehn wird, als mir. Bitte...Freue dich des Lebens, wie ich es nicht konnte. Das
scheint mein letzter Gedanke zu sein...Stehts auf dich bedacht. Nun löst sich eine Träne...
Sie fällt mit mir hinab in die Tiefe, die nun schon nicht mehr so tief erscheint. Ich sehe
ihn näher kommen, meinen Richter, meinen Tod. Im Gedanken hauche ich dir einen letzten
Kuss zu, dann schließe ich die Augen. Ich warte voller Ungeduld ab, wann mag mein Fall enden?
So viele Gedanken verschwendet und nie ausgesprochen. Aber ist ein Gedanke an dich wirklich
verschwendet? Nein! Ich schreie es in mich hinein: Ich liebe dich! Und dann...Ja, dann wird es
plötzlich kalt um mich herum. Meine Gedanken enden, mein Körper zerbarst... Ich spüre
nichts...Nur die Kälte des Todes um mich herum...
17.12.06 18:15
 


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